Meine Tochter ist mehr als…..

Aufgrund meines Berufs lerne ich häufig neue Menschen kennen. Wie immer dreht es sich am Anfang nur um die Arbeit, aber wenn man mehr Zeit miteinander verbringt, so kommt auch mal die eine oder andere private Frage.

„Hast Du bzw. habt ihr Kinder?“

Immer wieder fällt es mir sehr schwer diese Frage zu beantworten. Auf der einen Seite möchte ich meine geliebte Tochter nicht verstecken, auf der anderen Seite möchte ich nicht erneut in ein geschocktes Gesicht blicken. Oft habe ich das Gefühl das mein Gegenüber sich nach meiner ehrlichen Antwort wünscht, die Frage nie gestellt zu haben. Die Scharm und das Gefühl von „was mache ich denn jetzt“, ist ihnen zu häufig ins Gesicht geschrieben. Daher kommt es auch öfters vor, dass ich meinem Gegenüber und mir diese Situation ersparen möchte und einfach mit nein antworte. Es fällt mir schwer dieses nein über die Lippen zu bringen. In diesem Momenten habe ich immer das Gefühl, meine Tochter zu verleugnen oder vor der Welt verstecken zu wollen.

Mir selbst das nein über die Lippen gehen zu lassen ist das eine, aber ich kann es nicht ausstehen wenn andere das für mich erledigen! So kommt es immer wieder vor, dass sich Personen aus meinem Bekanntenkreis vor mich stellen und Sätze plaudern wie:

„Kein Gutes Thema!“

„Nicht drauf ansprechen!“

„Lass es einfach!“

Ich bin mir sicher das diese Menschen mich nur schützen möchten, aber sie entziehen mir in diesem Moment die Wahl. Das finde ich unerträglich! Wenn meine Tochter sich schon nicht mehr vorstellen kann, so möchte ich wenigstens die Wahl haben, die Frage nach ihr direkt zu beantworten! Und das auch, wenn die Antwort nein lautet.

Nachtrag (23.07.2018 : 19:36): Bei den engsten Freunden ist das anders! Küsschen

Das Schlimmste was ich jedoch erlebe ist, dass Wissende die Geschichte meiner Tochter anderen erzählen. Vielleicht um diese zu warnen, oder nicht zu leicht mit dem Thema Kinder auf mich zu zugehen. Wenn ich dann mit diesen Personen ins Gespräch komme und doch das Thema Kinder aufkommt, so treffe ich immer auf eine sehr eingeschränkte Version des Lebens meiner Tochter.

„Ich habe es schon erfahren. Du hattest eine kleine Tochter und sie ist an Krebs gestorben.“

Ist meine Tochter denn nicht mehr als ein kleines Mädchen das Krebs hatte?

Meine Tochter liebte das Reiten und das Tanzen. Sie malte gerne und verkleidete sich liebend gerne. Parties fand sie besonders toll und vor 24:00 Uhr wollte sie nie ins Bett. Sie lachte viel und war eine ausgebuffte UNO-Spielerin.
Sie liebte ihre Freunde und ihre Katzen.

Ich könnte ewig so weiterschreiben denn, meine Tochter war viel mehr und ist für mich viel mehr als das Mädchen das Krebs hatte!

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